Wunscherfüllungen. Erzählstrategien im Prosawerk Alexander Lernet-Holenias. (2005)

Franziska Mayer: Wunscherfüllungen. Erzählstrategien im Prosawerk Alexander Lernet-Holenias. Böhlau, Köln, 2005.
Wunscherfüllung als Erzählstrategie
Thomas Eicher
Anläßlich eines Vortrags, den ich bei einer Tagung zur österreichischen Nachkriegsliteratur über Lernet-Holenia hielt, kritisierte ein bekannter österreichischer Germanist meinen Ansatz einer vom Autor losgelösten Lektüre der Lernetschen Texte: Gerade bei diesem Schriftsteller verbiete sich eine Abkopplung des Werks von der Autorperson und -intention; denn dieser habe erklärtermaßen mit dem Schreiben ganz pragmatische Zwecke (wie z.B. eine finanzielle Gewinnabsicht) verfolgt, ohne deren Berücksichtigung die Texte nicht zu interpretieren seien.
Œuvreimmanente Analyse rekurrenter Strukturen
Die Titelformulierung der Arbeit Franziska Mayers läßt zunächst einen ähnlichen Zwangskonnex vermuten, doch geht es ihr – entgegen dieser Annahme – um Dispositionen der Erzählinstanz, worauf denn auch der Untertitel verweist. Mit einem semiotisch-narratologischen Instrumentarium analysiert sie insbesondere den erzählerischen Umgang mit der Defizienz, der Erfahrung von Welt- und Identitätsverlust, den die Texte Lernets »durch narrative Sinnkonstruktionen nachträglich umzudeuten oder kompensatorisch zu bewältigen« (S. 17) suchen. – Das wäre – wie die Feststellung »Was in der Realität der dargestellten Welt nicht erreicht werden kann, schafft sich der Erzähler durch den Erzählakt selbst« (S. 17) – freilich nicht so ungewöhnlich für Literatur und erst recht nicht für die Literatur aus Österreich nach der Zerstückelung der Donaumonarchie. Bemerkenswert hingegen ist, daß sich Lernet-Holenia zeit seines Lebens am nationalen und individuellen Identitätsverlust abgearbeitet hat und deshalb auch seine Texte bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein von dieser Arbeit gekennzeichnet sind, so daß ihm das Etikett eines ewig Gestrigen nicht von ungefähr angeheftet wurde. Wie die Tatsache dieser auch von Franziska Mayer herausgestellten Kontinuität narrativer Strukturen zu bewerten ist, wäre indessen eine Frage der sinnvollen Kontextualisierung des Œuvres, die im vorliegenden Fall gemäß des selbstgewählten Erkenntnisinteresses unterbleibt.
Zunächst muß das Vorhaben einer œuvreimmanenten Analyse rekurrenter Strukturen die Sympathien all derer wecken, die sich mit den in der Lernet-Forschung der Vergangenheit häufig anzutreffenden argumentativen ›Kurzschlüssen‹ zwischen Werk und Autor nicht zufrieden geben wollen. Eine genauere Betrachtung der Texte und ihrer internen Funktionsmechanismen, die einen übergreifenden Zusammenhang im Gesamtwerk sichtbar machen, ist zweifellos ein Gewinn für die einschlägige Forschung. Und – um es vorwegzunehmen – Mayers Studie brilliert mit einer stupenden Detailkenntnis, die von einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk Lernet-Holenias zeugt.
Narrative Umgangsformen mit Defizienz-Phänomenen
Den unterschiedlichen narrativen Umgangsformen mit Defizienz-Phänomenen widmet die Autorin drei Kapitel. Darin eingebettet finden sich in unregelmäßigen Abständen und in unterschiedlicher Häufung sogenannte Textanalysen, die einzelne Romane bzw. Erzählungen untersuchen.
Die drei Teile der Arbeit geben in ihrem Umfang in etwa zu erkennen, wo die Schwerpunkte in Lernets Werk liegen: Die meiste Aufmerksamkeit widmet Mayer der »Defizienz als Prämisse des Erzählakts« (S. 21). Sie findet sich als Mangel oder Verlust auf der Ebene der Figuren und auf der Ebene des Ordnungs- und Wertegefüges bis hin zur Relativierung von Fiktionalitätsgrenzen.
Über die Unsicherheit der personalen Identität bei Lernet-Holenia, Bewußtseinsverschiebungen, Doppelgängerphänomene, Verwechslungen, Aneignungen fremder Identitäten und die Zuflucht zur Genealogie, ist in der Lernet-Forschung viel geschrieben worden. In beinahe jedem seiner Texte lassen sich solche Defizienzen auffinden, Mayers Betrachtung dieses Bereichs mündet in eine Analyse der Novelle Baron Bagge, in der Traum und Wirklichkeit, Leben und Tod ineinanderfließen und sich dabei so gründlich vermischen, daß sich der Rahmenerzähler für verheiratet hält, obwohl er das Grab seiner Traum-Frau nach seiner Wiederkehr aus dem Übergangsbereich von Leben und Tod aufgefunden hat.
Zerstörung von Ordnung und Werten
Mit der Gefährdung der Identität geht bei Lernet stets die Zerstörung von Ordnung und Werten einher. Das bedeutet zunächst vor allem ein ständiges Präsenthalten der epochalen Zäsur von 1918. Hier zerfällt die Habsburgermonarchie endgültig, doch Lernet bildet den Zerfall bereits in seinen Vorstufen ab, und er findet – so Mayer (vgl. dazu u.a. das Schaubild, S. 91) – weitere strukturelle Entsprechungen in historisch nachgeordneten Zerfallsphänomenen, ob das nun der Verkauf von Kronjuwelen (in der Weißen Dame), der Einmarsch Hitlers (im Grafen von Saint Germain) oder das Hitler-Attentat (im 20. Juli) ist.
In signifikanter Weise zeigt Lernet die Zerstörung sämtlicher überkommener Ordnungsgefüge in der Standarte. Hier wird vor dem Kriegsende durch Meuterei der Mannschaft und geduldete Vorschriftsübertretungen der Offiziere die Moral der Truppe geschwächt, die Ethnien der Reiches verlieren ihren Zusammenhalt, und das Reich selbst verliert seine Identitätssymbole mit der Abdankung des Kaisers und der Vernichtung der Feldzeichen, also auch der Standarte, mit der der Held des Romans seine eigene Identität verknüpft hat. Leider verzichtet Mayer hier auf eine Auseinandersetzung mit Literaturkritik und Forschungsliteratur, die gerade im Falle der Standarte umfangreich genug ist und vor allem zur Zerfallsthematik zahlreiche Ansätze bereithält.
Vieldeutigkeit der erzählerischen Sinnangebote
Unsicher ist bei Lernet-Holenia nicht nur die Identität der Figuren und die Ordnung der abgebildeten Welt, sondern damit auch der Boden des Erzählens selbst. Diese Unsicherheit zeigt sich in einer Vieldeutigkeit der erzählerischen Sinnangebote: Mehrere Erzähler konkurrieren in einem Text »um die Deutungshoheit über die dargestellten Ereignisse« (S. 117). Häufig genug wird dadurch z.B. die Hierarchie der Erzähler in den vielen Rahmenkonstruktionen Lernets relativiert, indem das Erzählte seinem Rahmenerzähler gleichsam aus den Händen gleitet und durch ein Überangebot von Interpretationen besticht. Ähnlich das Vorgehen des Erzählers etwa im Grafen Luna, einem Roman, der keinen Rahmen hat, sondern nur einen Wechsel von Innen- und Außenperspektive aufweist, der am Ende von einer dominanten phantastischen Innensicht abgelöst wird.
Selbst die Fiktionalität wird durch Verfahren der narrativen Relativierung unterhöhlt – was nicht zuletzt auch erklärt, warum diverse Interpreten der Vergangenheit nicht klar zwischen Autor-Person und Erzähler trennen. Manche Texte scheinen dieses Vorgehen zu legitimieren, indem der Autorname als Verfasser im Text auftaucht, z.B. im Grafen von Saint Germain oder in den Hexen.
Mit der Unsicherheit von Deutungsmustern spielt auch sehr virtuos Lernet-Holenias Nibelungen-Roman Der Mann im Hut, den Mayer in einer Einzelanalyse unter diesem Aspekt untersucht und herausstellt, daß es hier letztendlich um die Demonstration der Untauglichkeit sämtlicher zeitgenössischer Ost-Ideologien und der mit ihnen verbundenen Geschichtsmodelle geht: »Vorgeführt wird [...] der Mangel an verbindlichen Sinngebungen« (S. 151). Clarville – ironisch mit deutschen Führerfiguren in Verbindung gebracht – erleidet im Osten ein einsames Ende, ohne daß Dritte in Mitleidenschaft gezogen werden, und über allem waltet ein zyklisch agierendes Schicksal, das sich der Bewertung durch den Erzähler naturgemäß entzieht. Früheren Interpretationen, die den Mann im Hut als subversive Literatur eingestuft haben, wird durch Mayers Analyse freilich der Boden entzogen. Lernet – und dafür spricht einiges – versagt sich mit seinen mehrdeutigen Konstruktionen grundsätzlich der ideologischen Vereinnahmung wie der Ideologiekritik.
Zuflucht zur Genealogie
Neben der Darstellung von Defizienz-Phänomenen gibt es bei Lernet auch erzählte Versuche einer Bewältigung, die zumeist zum Scheitern verurteilt sind. So steht z.B. der unsicheren Identität die Zuflucht zur Genealogie gegenüber. »Von genealogischer Forschung wird [...] zwar immer wieder behauptet, sie könne zum Wissen über die eigene oder eine fremde Identität beitragen, sie erweist sich so aber eher als Gefahr für den Protagonisten« (S. 156). Ergänzend muß jedoch gesagt werden, daß es vor allem die mutwillig in eine konstruierte Richtung vorstoßenden genealogischen Forschungen sind, die erst recht Defizienz hervorbringen, weil sie die ›rechtmäßige‹ Ordnung der Welt gefährden und darum auch geahndet werden müssen, wie der Todesfall Heisters in der Standarte und seine Prophezeiung durch Hackenberg nahelegen.
Im Grafen Luna schließlich, den Mayer mit einer Einzelanalyse näher untersucht, führen die genealogischen Forschungen Jssierskys den Protagonisten dermaßen in die Irre, daß er in seinem Wahn mehrere Morde begeht. Immerhin bleibt ihm in seiner Verwirrung am Ende kompensatorisch eine imaginäre Rückkehr zu seinen Ahnen, so daß sein Lebenslauf »als sinnhaft geschlossener und zyklischer Weg erscheint« (S. 174) – eine Umdeutung, die jedoch an der Schwelle des Todes nutzlos geworden ist.
Erotik und Partnerfindung als Mittel der Selbststabilisierung von Figuren
Neben den genealogischen Forschungen etabliert Lernet auch Erotik und Partnerfindung als Mittel der Selbststabilisierung von Figuren. Doch das erreichte Glück, das der Held nach zahlreichen Abenteuern und Hindernissen an der Seite einer begehrten Frau erreicht, ist in der Regel nicht von Bestand. »Geglückte Erotik ist [...] immer an die Bewältigung äußerer Konflikte gekoppelt, die nicht notwendig in kausalem Zusammenhang mit der Liebesbeziehung stehen« (S. 180).
Ohne Zweifel deutet sich in diesem Zusammenhang ein Forschungsfeld an, das Mayer auch in Ihrer Analyse von Jo und der Herr zu Pferde nur streifen kann. Die Geschlechter-Stereotype, mit denen Lernet arbeitet, wären der näheren Untersuchung wert, denn sie verweisen auf Diskurse der Zeit, wie sie auch der bei Mayer zitierte Sammelband von Friedrich Huebner, Die Frau von Morgen wie wir sie wünschen (1929), repräsentiert.
Festhalten an Strukturen der Vergangenheit
Naturgemäß sind auch Lernets erzählerische Versuche, der zerfallenden Ordnung, in der seine Protagonisten leben, ein kompensatorisches Gegengewicht zu geben, zum Scheitern verurteilt. Das anachronistische Festhalten an Militärstrukturen der Vergangenheit, Reich und Religion (Katholizismus) als Ordnungskategorien erweist sich indessen innerhalb der Texte oft genug als sinnlos bis kontraproduktiv.
Zum Paradigma dieses verzweifelten Kampfes gegen den Zerfall macht Mayer den Grafen von Saint Germain, der erst 1948 publiziert wurde, aber aus der Nachkriegsperspektive einen Blick auf die Zeit der Ersten Republik bis zum ›Anschluß‹ wirft. Branis, der Protagonist des Romans, stemmt sich mit aller Macht gegen die allenthalben wahrnehmbaren Defizienz-Phänomene. Er scheitert mit seiner angemaßten adeligen Herkunft und anachronistischen Lebensweise. Er scheitert mit seinem Selbststabilisierungsversuch einer Autobiographie und wird obendrein am Ende von einer gesichtslosen Masse gelyncht. »Die Prädisposition durch Genealogie setzt sich letztlich ebenso durch wie das prophezeite Schicksal des Reiches« (S. 235).
Wunscherfüllung als erzählerisches Konzept
Daß die Wunscherfüllung als erzählerisches Konzept der sinngebenden Umkodierung am wenigsten Raum in der Darstellung Mayers einnimmt, entspricht ihrer Bedeutung im Werk Lernets, macht aber auch auf eine Problematik der Arbeit aufmerksam: Weder ihr Titel noch ihre Argumentation werden der Tatsache gerecht, daß es eben die Erfahrung der nichtzubewältigenden Defizienz ist, die bei Lernet stets die Oberhand behält – mag sich auch ein Erzähler noch so sehr an ihr abarbeiten. Die Wunscherfüllung wird dadurch im Gesamtwerk beinahe marginalisiert. Bestenfalls ließe sich die These aufstellen, daß Lernet-Holenia mit zunehmendem Alter Formen der Umkodierung von Geschichte (etwa in Das Halsband der Königin oder in Prinz Eugen) und von Literatur (in Der wahre Werter und Die wahre Manon) entwickelt, indem er mit einer gesteigerten Intertextualität tatsächlich den wahrgenommenen Sinnverlust qua Aneignung fremder Texte kompensiert.
Für die pauschale Charakterisierung des Lernetschen Erzählverfahrens ist die Wunscherfüllung indessen kaum geeignet. Obendrein ist sie, wie mir scheint, in ihrer Herleitung von Freud terminologisch untauglich, u.a. weil die Erzählinstanz dadurch – via Psychoanalyse – der Autorinstanz ganz unnötig näherrückt. Auch Mayer beläßt es deshalb eher bei einer Allusion, statt den Begriff zur Methode innerhalb ihres Vorgehens zu entfalten.
Monadischer Gesamteindruck
Die methodischen Vorüberlegungen hält Mayer ohnedies knapp – ähnlich knapp wie die Einbettung ihrer Arbeit in die vorhandene Forschungsliteratur. Dabei entsteht ein gleichsam monadischer Gesamteindruck, der dazu angetan ist, die Verdienste der Studie zu unterminieren. Zwar verspricht die Autorin in einem schmalen, kursorischen Forschungsüberblick, auf einzelne Ergebnisse der vorhandenen Sekundärliteratur an anderer Stelle genauer einzugehen. Eine echte Auseinandersetzung mit Ergebnissen früherer Forschungsarbeiten erfolgt jedoch in der Regel nicht. Selbst der umfangreiche Anmerkungsapparat bringt im wesentlichen Verweise auf Lernet-Texte. Man hätte sich hier eine gründlichere Beschäftigung mit thematisch verwandten Studien bzw. deren Einzelaspekten gewünscht.
Zwei Argumentationstypen
Formal fällt die Arbeit in zwei verschiedene Argumentationstypen auseinander: Die synoptische Darstellung der rekurrenten Strukturen des Œuvres wechselt mit exemplarischen Einzelanalysen ab, die »auch selbständig und unabhängig vom Gang der Gesamtargumentation rezipiert werden« (S. 17) können. Das klingt denn doch zu sehr nach Beliebigkeit und ist als Rezeptionsanweisung gänzlich deplaziert. In Wahrheit geben diese »Textanalysen« Raum zur vertiefenden Entfaltung der jeweils angeschnittenen Thematik als gleichsam vertikales Gegengewicht zur vorherrschend horizontalen Blickrichtung – nicht immer freilich in einer ausgewogenen Gewichtung. Mayer hätte indessen gut daran getan, dieses Prinzip zum System ihrer Darstellung auszubauen. Auch im dritten Teil ihrer Studie hätte man sich Textanalysen gewünscht, um den jeweils drei der vorangehenden zwei Teile ein Gegengewicht schaffen zu können. Die Selbständigkeit der Einzelanalysen wird hingegen von ihrer jeweiligen Gliederung unterstrichen, die buchstäblich bei Null mit einer Inhaltsangabe anfängt, was im Zuge einer Argumentation, die unbedingt eine Kenntnis des Gesamtwerks verlangt und auch ansonsten auf mögliche Lektüre-Lücken keine Rücksicht nimmt, verwunderlich erscheint.
Am Ende ihrer strikt am Text ausgerichteten Studie kommt Mayer übrigens, nachdem sie sich eingangs im Rahmen ihrer Interpretation vom Autor als Person gleichsam losgesagt hat, wiederum auf ihn zurück – in abgemilderter Form freilich, indem sie auf »Parallelen dieser Erzählverfahren zu Stilisierungsstrategien des Autors selbst« (S. 286) hinweist. Cui bono?
Fazit
Abgesehen von diesen Stolpersteinen in der Argumentation verdient die Arbeit Mayers aufgrund ihrer Textnähe und dem klaren narratologischen Profil großes Lob. Sie nimmt eine Texterschließung vor, die ihrerseits Basis für weitere zeitgeschichtliche Einordnungen des Œuvres sein kann; denn, auch wenn man Mayer nicht ankreiden kann, daß sie etwa ahistorisch gearbeitet habe, so muß doch – gerade in »IASLonline« – der Hinweis gestattet sein, daß eine künftige Lernet-Forschung ihre Legitimation daraus zu ziehen haben wird, wie sich der Autor und sein Werk innerhalb der wechselnden Sozialsysteme im deutschsprachigen Raum des 20. Jahrhunderts positionieren lassen.
Lernet-Holenia ist in œuvreimmanenter Perspektive nicht mit Broch oder Musil vergleichbar. Der kanonische ›Eigenwert‹ solcher Autoren würde textorientierte Untersuchungen wie die vorliegende beinahe von alleine legitimieren. Bei einem Autor vom ›Rang‹ eines Lernet-Holenia muß sich der Interpret immer die Frage nach der Relevanz seines Tuns gefallen lassen. Wenn diese an den Textgrenzen endet, sind weitere Horizonte in den Blick zu nehmen. Der eingangs zitierte Einwand, man könne Lernets Texte in der Interpretation nicht für sich stehen lassen, entbehrt also nicht einer gewissen Berechtigung. Doch deutet die Antwort keineswegs auf eine Erweiterung des Blickwinkels in Richtung Autorperson. Vielmehr muß der Stellenwert erarbeitet werden, den die Texte Lernets im literarischen System der Zeit beanspruchen können. – Und dazu ist noch lange nicht alles gesagt.