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Alexander Lernet-Holenia
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Kurzbiografie chronologisch

1897 - 1976 Alexander Lernet-Holenia - Remaprint 1998

Überarbeitete Fassung der Kurzbiografie aus: Patrice Blaser/Manfred Müller (Hrsg.): Alexander Lernet-Holenia 1897–1976. Katalog einer Ausstellung, veranstaltet vom Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten. Wien, 1998.

1897

© A. Dreihann-Holenia

Am 21 . Oktober wird Alexander Maria Norbert Lernet in Wien geboren. Seine Mutter, die verwitwete Sidonie von Boyneburgk-Stettfeld, stammt aus der in Bleiberg/Kärnten ansässigen Gewerken-Familie Holenia. Sie ist in zweiter Ehe mit dem Linienschiffleutnant Alexander Lernet verheiratet. Die Ehe, erst kurz vor Alexanders Geburt geschlossen, wird bald wieder geschieden, was das Gerücht entstehen lässt, dass ein habsburgischer Erzherzog der Vater des Kindes sei. Diese ungewisse Herkunft wird den Autor sein Leben lang beschäftigen.

1915

Lernet-Gymnasium

Nach einer schwierigen Kindheit, die von Übersiedlungen und Schulwechseln geprägt ist (Wien, Klagenfurt, St. Wolfgang), legt Alexander im Juli 1915 in Waidhofen an der Ybbs die Reifeprüfung ab. Er inskribiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien, meldet sich aber im September als Einjährig-Freiwilliger zur Kavallerie und tritt seinen Dienst beim Dragonerregiment No. 9 ,,Erzherzog Albrecht" an.

1916-1918

Als Soldat WK1

Ab dem 20. Juli 1916 ist der junge Dragonerfähnrich (ab 1917 Leutnant der Reserve) Lernet in Polen, der Slowakei, Russland, der Ukraine und Ungarn an der Front. Während dieser Zeit schreibt er Gedichte; eines davon, die ,,Himmelfahrt Henochs“, schickt er 1917 an Rainer Maria Rilke (1875-1926).

1919

Lernet jung

Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg übersiedelt Lernet nach Klagenfurt. Er nimmt am Kärntner Abwehrkampf teil und lernt Emil Lorenz (1889-1962), Johannes Lindner (1896-1985) und Josef Friedrich Perkonig (1890-1959) kennen; vor allem der Schriftsteller und spätere Kärntner Volksbildungsreferent Lorenz wird zu einem engen Freund. Rilke zeigt sich von Lernets Lyrik beeindruckt und fördert den jungen Dichter.

1920

© A. Dreihann-Holenia

Lernet-Holenia wird von der Familie seiner Mutter adoptiert und trägt seither den Doppelnamen Lernet-Holenia. Im gleichen Jahr entschließt er sich, ,,freier Schriftsteller und Übersetzer" zu werden.

1921

Pastorale - Wiener Literarische Anstalt 1921

Der in sehr kleiner Auflage in der Wiener Literarischen Gesellschaft (WlLA) publizierte Gedichtband Pastorale ist das erste Buch, das Lernet-Holenia veröffentlicht. Der einflussreiche Schriftsteller und Kritiker Hermann Bahr (1863–1934) setzt sich in mehreren Artikeln für den jungen Schriftstellerkollegen ein.

1923

ALH.Perfaller

Lernet-Holenia, der wegen Scheidung und Wiederheirat seiner Mutter ursprünglich der evangelischen Konfession angehörte, konvertiert zum Katholizismus. Im Insel-Verlag erscheint Kanzonnair, ein Gedichtband, für dessen Erscheinen sich Rainer Maria Rilke, dem das Buch auch gewidmet ist, sowie Hermann Bahr vehement beim Verlag eingesetzt haben. Trotz der prominenten Fürsprecher ist das Publikumsinteresse erwartungsgemäß vorerst gering.
Hugo von Hofmannsthal (1874–1929) und Alexander Lernet-Holenia verkehren brieflich miteinander; Hofmannsthal wird der Ausspruch zugeschrieben, Lernet könne alles, was er wolle.

1926

Lernet mit Hut SW

Nachdem Lernet-Holenia bereits 1925 seine ersten erfolgreichen Dramen Alkestis und Demetrius geschrieben hat, folgen noch in diesem Jahr die beiden Komödien Ollapotrida und Österreichische Komödie. Die beiden Stücke werden zu Kassenschlagern, die dem nun berühmten jungen Autor den renommierten Kleist-Preis einbringen. Im selben Jahr verlässt er Kärnten und zieht ins Haus seiner Mutter nach St. Wolfgang.

1928

Lernet jung ZigSpitz

Lernet-Holenia lernt in St. Wolfgang Leo Perutz (1882-1957) kennen, der für ihn ebenso zum Freund wie zum Vorbild wird. Gemeinsam mit Stefan Zweig (1881-1942) schreibt er unter dem Pseudonym "Clemens Neydisser" das Stück Gelegenheit macht Liebe (oder Quiproquo) und gemeinsam mit dem österreichischen Drehbuchautor Paul Frank (1885-1976) Tumult (auch: Mariage).

1930

Lernet jung zu Pferd

Als das gemeinsam mit Paul Frank verfasste Stück Attraktion vom Literaturkritiker Bernhard Diebold (1886-1945), der ihn vier Jahre vorher für den Kleist-Preis vorgeschlagen hat, als Plagiat verunglimpft wird, will Lernet-Holenia den Preis im Zorn zurückgeben und verursacht damit einen Skandal. Erfolgreiche Produktionen von Lernet-Holenia-Theaterstücken folgen auf Max Reinhardts (1873-1943) Berliner Bühnen.

1931-1935

Lernet in Lederhose 1934

In den dreißiger Jahren hält Lernet-Holenia sich fern von den Literaturströmungen des "Austrofaschismus" und schreibt zahlreiche Bücher in verschiedenen Gattungen: es erscheinen zehn Theaterstücke, ein Gedichtband, mehrere Erzählungen sowie elf Romane, darunter so erfolgreiche wie die Soldaten- und Liebesgeschichte Die Abenteuer eines jungen Herrn in Polen (1931), den Kriminalroman Ich war Jack Mortimer (1933) oder sein bis heute am meisten gelesenes Buch, den K.u.k.-Abgesang Die Standarte (1934). Sie alle werden auch verfilmt. Die Einnahmen daraus ermöglichen es dem Autor, viele Reisen zu unternehmen.

Lernet-Holenia verkehrt mit Kollegen wie Joseph Roth (1894-1939), Friedrich Torberg (1908-1979), Carl Zuckmayer (1896-1977), der seit 1933 im nahe bei St. Wolfgang gelegenen Henndorf lebt, und mit den aus NS-Deutschland emigrierten Ödön von Horváth (1901-1938), dessen Trauzeuge er 1933 ist. Insbesondere mit Carl Zuckmayer und dessen Familie verbindet ihn eine lebenslange Freundschaft.
Im selben Jahr setzen die in Deutschland an die Macht gelangten Nationalsozialisten Lernets Roman Jo und der Herr zu Pferde auf die erste „Schwarze Liste (Schöne Literatur)“, welche die Grundlage für die Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 bildet. Dem Kulturpolitischen Archiv der NS-Kulturgemeinde gilt der Autor als „für nationalsozialistisches Publikum untragbar“.

1936-1938

Lernet mittelalt 1

Mit Die Auferstehung des Maltravers (1936), Der Baron Bagge (1936), Der Mann im Hut (1937), Strahlenheim (1938) entstehen Romane und Erzählungen, in denen der Autor mitunter seinen düsteren Ahnungen bezüglich der Zukunft Nazideutschlands Ausdruck verleiht.

1939-1940

Lernet als Soldat WK2

Ein Traum in Rot (1939) erscheint als Vorabdruck in der mondänen Zeitschrift „Die Dame“, dann als Buch. Nach der Rückkehr von einer mehrmonatigen Schiffsreise nach Nordamerika und durch die Karibik wird Lernet zu einer Waffenübung eingezogen, kurz darauf bricht der Zweite Weltkrieg aus. Am zweiten Tag des „Polenfeldzugs“ an der Hand verwundet, verbringt Lernet die folgenden Wochen in der Etappe und in St. Wolfgang und Wien, bis er im August 1941 nach Berlin beordert und zum Leiter des Entwicklungsstabs der Heeresfilmstelle ernannt wird.

Kurz vor Ausbruch des Krieges war Lernet-Holenia eine Beziehung mit der Wiener Verlagsgesellschafterin Maria Charlotte Sweceny (1904-1956) geb. Stein eingegangen, die bis 1944 dauern sollte. Mit ihr unterhielt er einen regen Briefwechsel; nach ihr gestaltete er die Figur der Cuba Pistohlkors in seinen direkt nach dem Polenfeldzug geschriebenen Schlüsselroman Roman Mars im Widder, ihr widmete er sein liebstes Werk, die Gedichtsammlung Die Trophäe.

1941-1944

Lernet mittelalt mit Jannings Zuckmayer

Mars im Widder wird in "Die Dame" vorabgedruckt. Die Buchausgabe wird jedoch kurz vor der Auslieferung vom Oberkommando der Wehrmacht verboten. Die 15.000 Exemplare der ersten Druckauflage werden in einem Lagerhaus in Leipzig versteckt, das bei Luftangriffen 1943/44 zerstört wird.

Lernet-Holenia pendelt zwischen Berlin, Wien und St. Wolfgang, stets um Verlängerung seiner Freistellung von der Front bemüht.

Für die UFA-Produktion Die große Liebe mit Zarah Leander, die zum kommerziell erfolgreichsten Film der NS-Zeit werden sollte, liefert Lernet-Holenia die Idee. In einem Brief an seinen Verleger Peter Suhrkamp schreibt Lernet-Holenia 1942: "Die Situation, wenn sie nicht weiterhin gestört wird, könnte ideal sein: ich lebe von Filmen und arbeite jahrelang an einem Buch, das zum wirklichen Kunstwerk werden kann." Dieser Roman, Beide Sizilien, wird schließlich zu einem Werk, das nach Hilde Spiel "alles übertrifft, was Lernet-Holenia sonst mit epischen Mitteln auszudrücken versuchte".

In Berlin hat Lernet-Holenia Kontakt zu Gottfried Benn (1886-1956) und Alfred Kubin (1877-1959). Sein Freund Emil Jannings, Schauspiel-Star des NS-Regimes, verschafft Lernet Drehbuchaufträge, die ihn davor bewahren, an die Front abkommandiert zu werden. Im Januar 1943 erfolgt dann die ersehnte Uk-Stellung.

1945-1950

Eva

Vor dem Fronteinsatz in 1945 wurde Lernet-Holenia durch Hilfe einer Widerstandsgruppe in Wien bewahrt. Nach dem Krieg lebt er gemeinsam mit der Berlinerin Eva Vollbach (1914–1983), die er im Oktober 1945 heiratet, in St. Wolfgang. In verschiedenen Verlagen erscheinen Gedichte und Erzählungen, die Lernet-Holenia während des Krieges zurückgehalten hat. Mit der Devise "In der Tat brauchen wir nur dort fortzusetzen, wo uns die Träume eines Irren unterbrochen haben" wird er zu einer Symbolfigur des literarischen Wiederaufbaus. Er gehört zu den dominierenden Persönlichkeiten im deutschsprachigen Kulturbetrieb, erhält Literaturpreise und wird korrespondierendes Mitglied der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

1947 entwirft er gemeinsam mit Bertolt Brecht, Carl Zuckmayer, Erich Kästner, Max Frisch, Horst Lange, Kurt Hirschfeld und Werner Bergengruen einen Aufrufs gegen den Kalten Krieg. Lernet-Holenias Nachkriegs-Bedeutung illustriert ein Ausspruch Hans Weigels von 1948: "Die österreichische Literatur besteht derzeit aus zwei Autoren, aus dem Lernet und dem Holenia."

Als einer der ersten Schriftsteller der Nachkriesgzeit thematisiert er in seinem Werk die Mitschuld Österreichs am Nationalsozialismus, vor allem in seinem Langgedicht Germanien (1946), der Novelle Der 20. Juli (1946) und dem Roman Der Graf von Saint-Germain (1948).

1951-1954

Lernet Torberg

Lernet-Holenia und seine Frau ziehen in eine Wohnung in der Wiener Hofburg. Hier verbringen sie von nun an die eine Hälfte des Jahres, die andere nach wie vor in St. Wolfgang. Lernets Briefwechsel mit Gottfried Benn, Monologische Kunst?, erscheint 1953.

Ab 1954 ist Lernet-Holenia zehn Jahre lang Mitherausgeber der von ihm, Friedrich Torberg und anderen begründeten kulturpolitischen Zeitschrift ,,FORVM“.

1955

Lernet mittelalt 4

In diesem Jahr erscheint neben dem von der Kritik gelobten Roman Der Graf Luna – dessen Held Jessiersky an der Schuld trägt, jemanden in ein Konzentrationslager gebracht zu haben – noch ein zweiter Roman, Das Finanzamt. Dieses Pamphlet gegen die österreichischen Steuerbeamten ist symptomatisch für das Alterswerk Lernet-Holenias, der mit seinen Büchern immer öfter Privatfehden austrägt. Seine Angriffsziele sind dabei nicht nur offizielle Stellen, sondern auch die Presse, Schriftstellerkollegen oder die Familie Habsburg.

1956-1958

Lernet mittelalt Theater

Beim Begräbnis von Leo Perutz hält Lernet-Holenia die Grabrede, dessen letzten Roman Der Judas des Leonardo bereitet er zur Publikation vor. Anlässlich seines 60. Geburtstages wird er mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet, kurze Zeit später mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich, welches er allerdings, nach neuerlichen Streitigkeiten mit der ,,Finanz-SS", wie er die Steuerbehörde von nun an nennt, zurückgibt.

In den folgenden Jahren erhält er weitere Ehrungen wie den Großen Österreichischen Staatspreis (1961) oder die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Wien (1967). Literarisch ist Lernet-Holenia nach wie vor sehr produktiv: neben mehreren Übersetzungen erscheinen die Biographien Prinz Eugen (1960) und Naundorff (1961) sowie einige historische Romane und Dramen. Daneben ist Lernet-Holenia weiter ein gefürchteter kritischer Artikel- und Leserbriefschreiber.

1969-1976

© A. Bellingrath

1969 erscheint Die Hexen, ein zeitkritischer und satirischer Roman der den "Habsburger Mythos" zum Meta-Mythos entwickelt. Nach dem Tod Franz Theodor Csokors (1885-1969) wird Lernet-Holenia zu dessen Nachfolger als österreichischer PEN-Club-Präsident gewählt. Aus Protest gegen die Verleihung des Literaturnobelpreises 1972 an Heinrich Böll, der manchen Kreisen als RAF-Sympathisant gilt, tritt er von seinem Amt zurück; durch diese Aktion, die zum Anlass der Abspaltung der Grazer Autorenversammlung vom PEN-Club wird, fühlen sich selbst seine engsten Freunde vor den Kopf gestoßen. Sein Rücktritt scheint heute eher an persönliche Probleme geknüpft zu sein.

Lernet-Holenias letzter, mystischer Roman Die Beschwörung (1974) wird unter dem Pseudonym G. T. Dampierre veröffentlicht. In der Folge zieht sich der bereits schwer kranke Autor immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Am 3. Juli 1976 stirbt er an Lungenkrebs. Er wird auf dem Hietzinger Friedhof in einem Ehrengrab beigesetzt.